Andacht zum Sonntag Jubilate

Liebe Lesende,

in wenigen Tagen wird politisch darüber entschieden, welche Lockerungen im gegenseitigen Umgang nun möglich sein werden – oder eben auch nicht. Dass sich unser Umgang – das Wesen unseres Umgangs – bereits verändert hat, kann man an verschiedenen Stellen erleben: Hamsterkäufe, Abstandhalten, Home Office, geschlossene Friseure ...
Auch unser Gemeindeleben hat und wird sich ändern – nur wie, wissen wir noch nicht. Was eine grundlegende Lebensänderung vermag, darüber möchte ich in diesem Brief gern nachdenken.

Spruch zur Woche
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5,17)


Gebet

Guter und barmherziger Gott, in dieser österlichen Zeit feiern wir dich. Du hast Christus von den Toten auferweckt. Im Licht der Auferstehung bitten wir dich: Weck das Tote auf. Erwecke die abgestorbenen Hoffnungen zu neuem Leben. Schenke dort neuen Mut, wo Verzweiflung und Ratlosigkeit lähmen. Erfülle die Schwachen mit deiner Lebenskraft. Heile die verwundete Schöpfung. Mache diese Welt neu. Wir loben dich und rufen: Halleluja.
Voller Sehnsucht nach Frieden bitten wir dich: Versöhne die, die im Streit liegen, Schenke den Völkern Versöhnung. Schenke Heilung, wo Schmerz und Verwundung, Krankheit und Elend ist. Gib den Kranken Hoffnung und denen, die ihnen beistehen, Liebe. Nimm dich der Sterbenden an. Tröste die Trauernden. Berühre uns und alle, die zu uns gehören mit deiner belebenden Gegenwart. Wir loben dich und rufen: Halleluja. Amen.


Gedanken auf dem Weg

Metamorphose nennt man bei Insekten oder Fröschen die körperliche Umgestaltung oder Verwandlung. So wird beispielsweise aus einer gefräßigen, unscheinbaren Raupe der wunderschöne Schmetterling. Nun behauptet der Apostel Paulus: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5,17)
Durchlaufen Christen auch eine Metamorphose? Kann man ihnen ansehen, dass sie Christus begegnet sind? Sehen sie erlöster aus? Oder umgibt sie eine heilige Aura?
Paulus selbst dient umgangssprachlich ja als Beispiel der Verwandlung:
Vom Saulus zum Paulus.
Vom Christenverfolger zum Christusverteidiger. Aber spiegelte sich seine innere Veränderung äußerlich wieder?
Der hölzerne Christus auf dem Bild hilft mir bei dieser Frage. Er ist vermutlich bewusst aus altem, rissigem und verbrauchten Holz geschnitzt. Sinnbildlich steht das Holz für die Risse des Lebens und auch für den Tod am Kreuz. Aber der hölzerne Christus trägt eine Krone. Sie ist das Zeichen dafür, dass das Leben den Sieg behält.
Die Figur hat aber keine Hände – vielleicht auch keine Füße.


Mir fällt dieses Gebet ein:
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Er hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.
Christus braucht uns – er braucht mich. Er braucht meine Hände, meine Beine und meine Füße.
Mein Blick fällt auf den Schatten, den die Christusfigur auf die Wand wirft. Es sieht so aus, als gäbe es die Figur zweimal – Christus und mich. Ich bin mitgedacht und mitgemeint. „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“
Der Wochenspruch aus dem 2. Korintherbrief sagt für mich genau dieses aus: Wenn ich in Christus bin, dann beginnt etwas Neues, dann wird eine neue Kreatur, eine neue Figur. In Christus zu sein, heißt, an seiner Stelle reden, greifen, begreifen, gehen, sehen, handeln, fühlen.
Oder anders: Wir sind aus demselben Holz geschnitzt wie er. Wir sind mit am Holz des Kreuzes gestorben und sind mit ihm zu neuem Leben auferstanden, sind eine neue Kreatur geworden. Vollendet ist es noch nicht, aber begonnen hat es schon.
Das Neue ist nicht so einfach da. Es fällt nicht einfach vom Himmel. Auch die neue Kreatur, von der Paulus schreibt, entsteht nicht einfach nur so. Auch da gibt es eine Geschichte vorher, unsere Geschichte, in der wir leben, lachen, weinen und lieben. Aber das, was kommt, ist nicht einfach das Abbild des alten Menschen, vielleicht etwas aufpoliert oder gestrafft, geliftet und von Falten befreit. Wir bringen, wie das Holz seine Lebensringe, unsere Lebensringe, unsere Lebenszeit mit, aber alles erfährt eine neue Bestimmung, weil wir in Christus sind. Darum wird sich die innere
Veränderung bei Paulus auch äußerlich gezeigt haben. Der wütende und unversöhnliche Saulus mit verzerrtem Gesicht veränderte sich zum versöhnenden, ausgleichenden und seelsorgerlichen Paulus. Er blieb ein Eiferer. Aber sein innerer Antrieb veränderte sich und damit veränderte sich sein ganzes Wesen.


Vielleicht fallen auch uns Beispiele solcher Metamorphosen aus dem eigenen Erleben ein. Habe ich mich verändert, seid ich mein Leben Jesus anvertraut habe? Wie erlebe ich mein Vorher und Nachher ?
Wirke ich erlöst? Und wie fühlt sich Erlösung an? Sicher, als Christen stehen wir inmitten der Gesellschaft. Wir sind nicht anders als die Welt. „Die in der Kirche sind auch nicht besser …“, sagen viele, und das leuchtet meistens uns in der Kirche sogar noch mehr ein als den Betrachtern von außen. Nicht die Kirche ist anders, sondern wir, die wir in Christus leben. Ich muss mich jeden Tag neu fragen lassen, was Christi Hände berühren würden, was seine Lippen sagen würden, zu wem seine Füße gehen würden. Meine Lebensbezüge, meine Beziehungen, meine Arbeit und all mein Tun charakterisieren sich dadurch, dass ich sie aus der Sicht Jesu angehe – und ich entdecke im Gegenüber ebenfalls das Antlitz Jesu. Jeden Tag neu muss ich überlegen, was Jesus tun, lassen oder sagen würde. Amen.


Segen
Mögest Du spüren, dass Christus Dich verändert. Du bist seine Hände, seine Füße, seine Lippen.
Lasse Dich verändern und segnen, damit Du sein kannst, wie Gott Dich will. Amen.

Ihr Sven Tiesler

Pastor