"Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken"
Hebräer 10, 24 - Monatsspruch Oktober 2021

Der Monatsspruch aus dem Hebräerbrief ist eine Ansage, wie wir in der Gemeinde miteinander umgehen sollen. Wir achten aufeinander. Wir motivieren uns gegenseitig dazu, Gutes zu tun - und das in einem Klima der Liebe.
Welchen Klang diese Ansage bei uns als einzelnen entfaltet, das hängt mit den jeweils eigenen Erfahrungen zusammen.


»Lasst uns aufeinander achthaben!«
Das kann als eine Erinnerung daran klingen, fürsorglich zu sein. Niemand wird vergessen. Niemand wird übersehen. Wir fragen nach einander. Wir nehmen Anteil. Wir freuen uns mit den Fröhlichen und tragen mit den Traurigen das Schwere gemeinsam. Wir kümmern uns.


»Lasst uns aufeinander achthaben!«
Das kann auch übergriffig klingen. »Schön, dich zu sehen!« War das echte Wiedersehensfreude? Oder klang nicht auch ein Vorwurf mit und eine Bewertung? »Dass du dich auch mal wieder blicken lässt?« Dann ist es klar, und die Ermahnung, aufeinander achtzuhaben, klingt nach Kontrolle, Bewertung und Gängelei.
Irgendwo zwischen Anonymität und Übergriffigkeit muss das richtige Maß für unser Miteinander liegen.


Ich möchte nicht in einer Gemeinde sein, in der niemand nach mir fragt. Auch wenn ich nicht zu den ganz Eifrigen gehören sollte, freut es mich doch, wenn ich bemerkt werde. Ich möchte nicht einen Gottesdienst besuchen und mit niemandem Kontakt gehabt haben. Sonst reicht auch der Fernseher.
Ich möchte auch nicht in einer Gemeinde sein, deren Umarmungen mich erdrücken. Wo sie urteilen, wie ich aussehe und wie ich lebe und wie ich mich engagiere. Wo ich auf einmal Rechenschaft schuldig bin.
Manche möchten eben doch einfach nur mal einen Gottesdienst besuchen und nichts gefragt werden und sind auch nicht auf der Suche nach neuen Bekanntschaften. Und andere genau umgekehrt.


»Lasst uns aufeinander achthaben!«
Um die Balance zwischen Gleichgültigkeit und Distanzlosigkeit hinzubekommen, gibt es kein Rezept. Aber die Liebe hilft, um den Ton zu treffen. Die Liebe macht den Unterschied zwischen Fürsorge und Kontrolle.


In herzlicher Verbundenheit
Ihr / Euer
Christian Voller-Morgenstern (Pastor)