Erntedankfest - Foto: © Gerd Petras

Ein Schatz für glückliche Momente

Eine Frau bekam zu ihrem Geburtstag eine Schatzkiste geschenkt. In diese Kiste sollte sie alle schönen Erinnerungen und Erlebnisse hineintun – alles, was sie glücklich macht oder ihr guttut.

Die Frau füllte die Kiste: mit einer Muschel aus dem Urlaub, mit einem Buch, das ihr gut gefallen hatte. Sie legte ein Foto von ihrer Familie hinein, eine Feder, die sie bei einem Waldspaziergang gefunden hatte, ein Brief, der ihr viel bedeutete.

Viele Dinge haben inzwischen in der Schatzkiste einen Platz gefunden. „Wenn ich einen schweren Tag hatte, dann schaue ich abends oft hinein“, sagt sie. „Die Erinnerung an das Gute, an die Schätze in meinem Leben gibt mir Kraft und macht mich ein bisschen fröhlicher.“

Eine Schatzkiste der schönen Erinnerungen – eine tolle Idee. Denn wie leicht verfliegen schöne Erlebnisse und geraten in einer schweren Zeit aus dem Blick. Wenn ich mich dann daran erinnere, dass es nicht nur die harten Zeiten gibt, sondern dass ich auch viel Schönes erlebt habe, dann trage ich einen Schatz mit mir, den ich heben und von dem ich zehren kann. So eine Schatzkiste erinnert mich daran – immer wieder.

Wenn wir am Erntedankfest unseren Abendmahlstisch schmücken, miteinander das Agapemahl feiern und uns an das Gute erinnern, das uns in den zurückliegenden Monaten widerfahren ist, dann ist das so ähnlich, als füllten wir eine Schatzkiste. Wir erinnern uns an das, was wir in diesem Jahr ernten konnten: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Nüsse. Dahlien, Sonnenblumen und Astern aus unseren Gärten, aber auch persönliche Begegnungen und gegenseitige Ermutigung.

Viel Arbeit steckt darin. Und doch können wir nicht allein für eine gute Ernte sorgen. Gott hat seinen Segen darauf geträufelt, damit wachsen konnte, was Menschen gesät haben. Er hat uns reich beschenkt. Und dafür danken wir ihm an diesem Tag.

Mich an das Gute erinnern, dankbar dafür sein, das will ich immer wieder versuchen. Am Erntedankfest und an den anderen Tagen meines Lebens. Es rückt schwere Zeiten in ein anderes Licht und gibt mir Kraft, sie zu überstehen. Es macht mich zufrieden, ja manchmal sogar glücklich. Und ich nehme die Welt anders wahr. So hebe ich den Schatz meines Lebens und zehre davon.

 Bestimmt hat das auch der Beter des 103. Psalm gewusst, wenn er sagt:

„Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“

Sven Tiesler
Pastor